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    Hans Fischer

    «Es gab diverse, massive Veränderungen. Einerseits natürlich bei der Reichweite der Fahrzeuge in tiefen und mittleren Preisklassen. Gerade dort erfolgte ein enormer Schub. Andererseits bei der Vielfalt an Anbietern von Lademöglichkeiten und auch bei der Anzahl der Ladepunkte.»
    Hans Fischer

    Hans Fischer, Technik-Blogger

    Sie beschäftigen sich schon seit über 4 Jahren eingehend mit der Elektromobilität. Was hat sich in dieser doch recht kurzen Zeit alles getan?

    Es gab diverse, massive Veränderungen. Einerseits natürlich bei der Reichweite der Fahrzeuge in tiefen und mittleren Preisklassen. Gerade dort erfolgte ein enormer Schub. Andererseits bei der Vielfalt an Anbietern von Lademöglichkeiten und auch bei der Anzahl der Ladepunkte. Aber vor allem ist das Angebot an Fahrzeugen viel grösser geworden: Vor vier Jahren gab es weniger als ein Dutzend Elektrofahrzeuge zur Auswahl, heute hat man eine breite Palette an verschiedenen E-Fahrzeugen.

     

    Wo sehen Sie die grössten Fortschritte?

    Klar, die technische Entwicklung ist aus meiner Sicht vielleicht der interessanteste Punkt, aber für die breite Bevölkerung sehe ich den grössten Fortschritt in der Modellvielfalt. Bis etwa Mitte 2020 war es gerade für Familien mit etwas Platzbedarf sehr schwierig, ein bezahlbares Modell zu finden, das deren Bedürfnisse abdeckt. Das hat sich enorm geändert. Man hat nun zahlreiche Modelle zur Auswahl – für die unterschiedlichsten Anforderungsprofile. Vom Kleinwagen über den praktischen Familienwagen bis hin zum Sportwagen gibt es eine Auswahl verschiedener Modelle von vielen Herstellern. Ich glaube, das ist der wichtigste Fortschritt, der die Elektromobilität massentauglich macht – gepaart mit dem Engagement von vielen Herstellern, voll auf Elektromobilität zu setzen.

     

    Wo besteht noch am meisten Handlungsbedarf?

    Am meisten Handlungsbedarf besteht noch bei der Routenplanung und den Zahlungssystemen. Gerade bei der Routenplanung gibt es aber immer bessere Lösungen von Herstellern. Zudem existieren frei nutzbare Apps und Websites: Da geht es in die richtige Richtung. Bei den Zahlungssystemen und der Preisstruktur ist die Situation etwas komplizierter. Oft sind diese zwei Punkte für Neulinge undurchschaubar. Ich bin ein klarer Verfechter von barrierefreiem Bezahlen, sprich am liebsten mit NFC-Terminals und per Kreditkarte, sodass zu einem fixen Preis pro kWh Strom bezogen werden kann. In Deutschland ändert sich gerade die Gesetzeslage für öffentliches Laden. Ich denke, da braucht es gesamteuropäisch und auch bei uns in der Schweiz einen guten Konsens. Was ebenfalls noch etwas Zeit und viel Überzeugungsarbeit oder Gesetze braucht, ist die Situation bei Stockwerkeigentümern oder Mietern. Für an einem Elektroauto Interessierte sind noch diverse Hürden vorhanden, um eine Ladelösung zu erhalten.

     

    Sie fahren selbst auch ein Elektroauto. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

    Da ich durch meine Arbeit als Tester von Elektroautos über 4 Jahre hinweg schon zahlreiche Modelle gefahren bin, habe ich mittlerweile einen breiten Erfahrungsschatz. Für unsere Familie war es wichtig, sich nachhaltiger fortzubewegen als mit der Verbrennung von fossilen Treibstoffen. Dass man mit dem Elektroauto sehr leise und bequem unterwegs ist, passt zu einer jungen Familie. Wir machen keine 1500 Kilometer langen Roadtrips und bei längeren Fahrten streuen wir immer mal wieder eine Pause ein. So passt das Elektroauto sehr gut. Dank unserem mit der heimischen Photovoltaikanlage selbst produzierten Strom passt es bei uns ökologisch wie auch ökonomisch sehr gut.

     

    Kritiker erwähnen immer die Reichweite und die Ladesituation als grösste Probleme. Wie beurteilen Sie diese Einwände?

    Die Reichweite ist gerade für uns Schweizer kein Thema mehr. Selbst für längere Auslandsreisen haben wir heute auf dem Markt sehr viele Autos mit mehr als 400 Kilometern Reichweite. Da kann man gut 300 Kilometer lange Abschnitte fahren und dann eine Ladepause einlegen. Hier sprechen wir also bei 2 bis 3 Stunden Fahrzeit über eine 30-minütige Ladepause. Diese ist einerseits erholsam und anderseits oft auch nötig für die Verpflegung und eine kurze Pinkelpause. Die erhöhten Ladeleistungen – in Verbindung mit mehr Reichweite durch grössere Akkus – ermöglichen heute also ein gemütliches Reisen. Wenn man von einem 1000 Kilometer langen Trip redet, geht es bei 10 Stunden Fahrzeit um rund 1,5 Stunden Ladezeit – wenn überhaupt. Das scheint mir völlig okay zu sein.

     

    Wie wird die Situation in 4 Jahren aussehen?

    Ich behaupte, dass in vier Jahren in der Schweiz jedes zweite neu zugelassene Auto vollelektrisch sein wird. Ich bin überzeugt, dass sich die Technologie im Bereich der Personenkraftwagen voll durchsetzen wird und viele Möglichkeiten im Strommarkt schafft, damit Energie richtig gespeichert wird. Ich bin mir auch sicher, dass sich in den nächsten Jahren die Ladesituation gerade bei Arbeitgebern und Vermietern massiv verändern wird. Hier gibt es viel Potenzial für alle Seiten.

     

    Was fasziniert Sie am meisten an der Elektromobilität?

    Einerseits die Möglichkeit der Sektorenkopplung: Ich kann mit der Photovoltaikanlage zu Hause mein Elektroauto direkt laden. Anderseits ist natürlich die Technik dahinter faszinierend. Als Elektroingenieur ist man da automatisch schon interessiert. Vor allem lassen sich mit Elektrofahrzeugen dank hohem Drehmoment von Anfang an sehr gute Beschleunigungswerte erreichen. Also haben wir auf der einen Seite den Spassfaktor und die unverzügliche Reaktion des Elektroautos auf Bewegungen am Gaspedal. Auf der anderen Seite haben wir die Möglichkeit, die Fahrzeuge enorm sparsam zu bewegen. Wie sparsam man fahren kann, wird einem erst durch das Elektroauto richtig bewusst.

     

    Würden Sie wieder auf ein Auto mit Verbrennungsmotor zurück wechseln?

    Nein, niemals. Im Gegenteil, ich versuche sogar, mein gesamtes Umfeld zu elektrifizieren. Wer einmal elektrisch gefahren ist, will nicht mehr zurück. Ich empfehle jedem eine Testfahrt, möglichst im Alltag, sodass man sich selbst von den Vorzügen überzeugen kann. Für mich gibt es nur Gründe, beim Elektroauto zu bleiben: die Möglichkeit, die Energie zur Fortbewegung selbst zu produzieren, keine Abgase, das Fahrgefühl und vieles mehr.

     

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