{"id":6126,"date":"2018-02-02T10:45:45","date_gmt":"2018-02-02T09:45:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/?p=3005"},"modified":"2025-03-21T17:28:08","modified_gmt":"2025-03-21T16:28:08","slug":"das-gute-gewissen-beim-autonomen-fahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/das-gute-gewissen-beim-autonomen-fahren\/","title":{"rendered":"Das gute Gewissen beim autonomen Fahren"},"content":{"rendered":"<p>Der Schreckmoment: Zwischen zwei parkierten Autos l\u00e4uft pl\u00f6tzlich ein Kind vor Ihr Auto. Es ist zu sp\u00e4t, um zu bremsen. Wahrscheinlich w\u00fcrde jeder intuitiv zum Schutze des Kindes versuchen, auszuweichen und Sch\u00e4den am Fahrzeug in Kauf zu nehmen.<\/p>\n<p><strong>Heute trifft der Autofahrer (unbewusst) die Entscheidung<\/strong><br \/>\nSolche Situationen sind gl\u00fccklicherweise sehr selten. Noch seltener m\u00fcssen Fahrer entscheiden, wen sie bei einem Unfall in Lebensgefahr bringen: Stellen Sie sich vor, Sie bemerken beim Fussg\u00e4ngerstreifen eine Gruppe zu sp\u00e4t. Sie k\u00f6nnen entweder in die Gruppe oder rechts in die Mauer fahren \u2013 was Sie t\u00f6dlich verletzen k\u00f6nnte. Sie treffen diese Entscheidung instinktiv, ein \u00abrichtig\u00bb oder \u00abfalsch\u00bb gibt es nicht.<\/p>\n<p>Auch selbstfahrende Autos k\u00f6nnen diese Situationen nicht g\u00e4nzlich verhindern, interagieren doch auch sie mit den Menschen auf der Strasse. Unf\u00e4lle werden leider auch dann noch zur Mobilit\u00e4t geh\u00f6ren, wenn wir uns bequem zur\u00fccklehnen und im Auto ein Buch lesen, einen Film schauen oder arbeiten. Allerdings wird in diesem Moment das Auto, nicht Sie, die Entscheidung treffen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Selbstfahrende Autos erh\u00f6hen die Sicherheit<\/strong><br \/>\nAutonomes Fahren wird die Sicherheit auf den Strassen deutlich erh\u00f6hen. Die Autos fahren nie zu schnell, dr\u00e4ngeln nicht, halten die n\u00f6tigen Abst\u00e4nde und fahren nicht in angetrunkenem Zustand. 2016 gab es auf Schweizer Strassen 17\u2018500 Unf\u00e4lle mit Personenschaden. 80 bis 94 Prozent dieser Unf\u00e4lle w\u00e4ren gem\u00e4ss Sch\u00e4tzungen diverser Experten vermeidbar. Eine Studie des Beratungsunternehmens <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.mckinsey.com\/industries\/automotive-and-assembly\/our-insights\/ten-ways-autonomous-driving-could-redefine-the-automotive-world\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">McKinsey<\/a><\/span> geht deshalb davon aus, dass sich diese Zahl mit selbstfahrenden Autos um 90% reduzieren wird. Wiederum nur ein Bruchteil davon wird Menschen gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p><strong>Braucht es eine \u00abEthik-Software\u00bb?<\/strong><br \/>\nSelbstfahrende Autos werden mit einer komplexen Software ausger\u00fcstet. Diese wird immer versuchen, Menschen nicht zu Schaden kommen zu lassen. Wie das Auto entscheiden soll, wenn es keinen Ausweg mehr gibt, dar\u00fcber diskutieren Ethiker weltweit. So hat etwa das renommierte<span style=\"text-decoration: underline;\"> <a href=\"http:\/\/web.mit.edu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Massachusetts Institute of Technology (MIT) <\/a><\/span>diverse Szenarien kreiert, in denen man selbst das moralische Dilemma l\u00f6sen muss: Die Bremsen bei einem selbstfahrenden Auto versagen. Wer soll gerettet werden? M\u00e4nner oder Frauen? Junge oder Alte? \u00c4rzte oder Diebe? Die Insassen des Autos oder die Fussg\u00e4nger?<span style=\"text-decoration: underline;\"><strong><a href=\"http:\/\/moralmachine.mit.edu\/hl\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Treffen Sie die Entscheidungen.<\/a><\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong>Arzt oder Dieb? Alt oder jung? Ich oder du?<\/strong><br \/>\nSolche Experimente sind interessante Gedankenspiele &#8211; das ethische Dilemma wird die Software kaum l\u00f6sen, denn Autos werden wohl nie erkennen k\u00f6nnen, ob jemand ein Dieb oder Arzt ist, ob jemand 20 Jahre oder 80 Jahre alt ist. Sollen immer so viele Leute wie m\u00f6glich gerettet werden? Soll der Zufall entscheiden? Kann der Fahrer zwischen den Modi \u00abRette mich\u00bb oder \u00abRette die anderen\u00bb entscheiden, so wie es heute einen Sport- und einen Umweltmodus gibt? Am sinnvollsten w\u00e4re wohl die L\u00f6sung, welche die Aufprallswucht auf das Minimum reduziert. Aber auch diese Option hat ihre Vor- und Nachteile.<\/p>\n<div id=\"attachment_3006\" style=\"width: 553px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3006\" class=\"size-medium wp-multi-image wp-image-3006\" src=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Autonomes-Fahren-Moral-543x414.jpg\" alt=\"\" width=\"543\" height=\"414\" \/><p id=\"caption-attachment-3006\" class=\"wp-caption-text\">Wie entscheiden Sie sich? Fahren Sie gerade aus auf die Personen, die \u00fcber die Strasse d\u00fcrfen? Oder fahren Sie auf die Leute zu, bei denen die Ampel auf Rot steht?<\/p><\/div>\n<p><strong>Moralisches und rechtliches Dilemma<\/strong><br \/>\nF\u00fcr die Hersteller und den Gesetzgeber sind solche Fragen schwierig zu l\u00f6sen. Die Fragen des MIT zeigen, dass nicht jeder dem selben moralischen Kompass folgt. Was die Mehrheit entscheidet, muss nicht richtig sein, schon gar nicht, wenn die Entscheidung am Computer und nicht in der Realit\u00e4t getroffen wird. Zu guter Letzt verbietet unsere Bundesverfassung, Menschenleben gegeneinander aufzurechnen. \u00abNur\u00bb ein Toter ist also nicht besser als f\u00fcnf Tote.<\/p>\n<p>Neben diesen moralischen Entscheidungen stellt sich die Frage, wer die Verantwortung \u00fcbernehmen muss. Der neue Audi A8 bringt schon heute alle technischen Funktionen mit, damit man im Stau auf der Autobahn das Fahren dem A8 \u00fcberlassen kann. In K\u00fcrze w\u00e4re auch das Fahren und \u00dcberholen bis Tempo 130km\/h m\u00f6glich. Jedoch ist in der Schweiz die Gesetzgebung f\u00fcr das autonome Fahren noch nicht so weit. Der Fahrer ist noch immer vollumf\u00e4nglich verantwortlich und muss immer mindestens eine Hand am Lenkrad haben. Deutschland hat im Sommer 2017 bereits erste rechtliche Grundlagen f\u00fcr autonomes Fahren erlassen, woran sich die Schweizer Gesetzgebung aktuell orientiert. Wie ist aber die Haftung bei einem Unfall geregelt? Ganz einfach: \u00abWer f\u00e4hrt, der haftet. Das bedeutet: Wenn das Auto im automatisierten Zustand unterwegs ist und der Fahrer nicht aufgefordert wurde, die Steuerung wieder zu \u00fcbernehmen, haftet der Hersteller. Sonst haftet weiterhin der Lenker\u00bb, erkl\u00e4rt Volker Dohr, Anwalt der AMAG Group AG.<\/p>\n<p><strong>Es braucht den gesellschaftlichen Diskurs<\/strong><br \/>\nWir werden die \u00abGrundregeln\u00bb f\u00fcr autonomes Fahren als Gesellschaft definieren m\u00fcssen. Dazu m\u00fcssen wir aber vor allem die Mobilit\u00e4t von morgen im Blick haben: Dank autonomen Fahrzeugen gibt es deutlich weniger Unf\u00e4lle mit Verletzten oder Todesopfern. Mobilit\u00e4t ist allen zug\u00e4nglich. Egal wie alt man ist, ob man m\u00fcde ist oder nicht, man hat immer die M\u00f6glichkeit von A nach B zu reisen. Die Frage, was in der seltensten Extremsituation geschieht, sollte die an sich positive Entwicklung nicht stoppen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/category\/technologie_innovation\/\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Mehr zum <strong>autonomen Fahren<\/strong> erfahren<\/span><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amag.ch\/amagch\/corp\/de\/newsletter\/anmeldeformular.html\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Aktuelles und Hintergr\u00fcnde aus der Welt des Autos.<strong> Jetzt abonnieren.<\/strong><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autos werden in Zukunft ohne unser Zutun fahren. Dies wird die Sicherheit massiv erh\u00f6hen, denn rund 90% aller Unf\u00e4lle werden vom Menschen verursacht. Trotzdem wird es noch zu Unf\u00e4llen kommen, weil auch Maschinen nicht fehlerfrei sind oder sie aus den Entscheidungen von Maschinen resultieren. Anhand welcher Kriterien sollen Maschinen entscheiden? Und wer tr\u00e4gt die Verantwortung?<\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":2848,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[9960],"tags":[],"class_list":["post-6126","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-moebilitaet-der-zukunft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6126","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6126"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6126\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31784,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6126\/revisions\/31784"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2848"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}