{"id":3169,"date":"2018-02-19T10:53:58","date_gmt":"2018-02-19T09:53:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/?p=3169"},"modified":"2018-03-02T13:43:14","modified_gmt":"2018-03-02T12:43:14","slug":"unternehmerische-nachhaltigkeit-bedeutet-zukunftsorientiert-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/unternehmerische-nachhaltigkeit-bedeutet-zukunftsorientiert-sein\/","title":{"rendered":"Unternehmerische Nachhaltigkeit bedeutet zukunftsorientiert sein"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Herr Aerni, das CCRS hat das Jurierungsverfahren f\u00fcr den Family Business Award erstellt. K\u00f6nnen Sie uns erkl\u00e4ren, wie das Beurteilungsverfahren abl\u00e4uft? <\/strong><\/h3>\n<p>Mein Vorg\u00e4nger hat das Jurierungsverfahren damals entwickelt. Beim Family Business Award bewerben sich immer top Kandidaten aus der ganzen Schweiz. Das erste Jurytreffen findet im Fr\u00fchling statt, wo die Dossiers, welche alle Auflagen erf\u00fcllen, diskutiert werden. An diesem Meeting werden drei oder vier Finalisten erkoren, welche dann im Sommer von der Jury pers\u00f6nlich besucht werden. Anhand dieser Besuche wird das Gewinnerunternehmen identifiziert und im September an einer festlichen Preisverleihung gek\u00fcrt.<\/p>\n<h3><strong>Auf was achtet die Jury bei der Beurteilung besonders?<\/strong><\/h3>\n<p>Es muss auf jeden Fall ein Familienunternehmen sein, welches mindestens in der zweiten oder dritten Generation gef\u00fchrt wird. Bei einer Holding muss der Zusammenhalt sichtbar sein. Dort kann es beispielsweise nicht sein, dass diese zwischen Br\u00fcdern aufgeteilt ist, die nichts mehr miteinander zu tun haben. Wir schauen auch darauf, wie das Familienunternehmen f\u00fcr die Zukunft aufgestellt ist und welche Innovationen mit positiven Nachhaltigkeitseffekten geschaffen wurden. Schlussendlich werden nat\u00fcrlich auch die Finanzen gepr\u00fcft. Die Schwierigkeit in der Beurteilung ist die Gewichtung aller Aspekte.<\/p>\n<div id=\"attachment_3170\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3170\" class=\"wp-image-3170\" src=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Portrait-Philipp-Aerni.jpeg\" alt=\"Philipp Aerni, Mitglied Jury Family Business Award\" width=\"200\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Portrait-Philipp-Aerni.jpeg 500w, https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Portrait-Philipp-Aerni-310x414.jpeg 310w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><p id=\"caption-attachment-3170\" class=\"wp-caption-text\">Philipp Aerni, Direktor Zentrum f\u00fcr Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit (CCRS)<\/p><\/div>\n<h3><strong>Sie sind selbst Jurymitglied beim Family Business Award. Was bedeutet f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich unternehmerische Nachhaltigkeit?<\/strong><\/h3>\n<p>Zukunftsorientiert sein, heisst f\u00fcr mich in erster Linie unternehmerische Nachhaltigkeit. Ein Unternehmen sollte f\u00fcr den Wandel vorbereitet sein und ein dynamisches Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Nachhaltigkeit haben. Denn das Nachhaltigkeitsempfinden ver\u00e4ndert sich stets. Das, was in den 70er Jahren als nachhaltig empfunden wurde, gilt heute in vielen Bereichen nicht mehr als nachhaltig. Daher ist es wichtig, Nachhaltigkeit nicht als Glaubensfrage zu verstehen, was insbesondere im Bio-\/und Fairtrademarketing suggeriert wird. Die ersten bekannten Biolabels sind in den 1980er Jahren entstanden und haben sich seitdem kaum weiterentwickelt, denn \u00abBio\u00bb soll ja prim\u00e4r den Konsumenten signalisieren, dass sie mit dem Kauf einen Beitrag f\u00fcr eine nachhaltigere Welt und ihre eigene Gesundheit leisten. Ob dieser Anspruch in Anbetracht der heutigen Kenntnisse aus der Forschung immer noch zutrifft, ist fragw\u00fcrdig aber eigentlich irrelevant, denn es geht ja prim\u00e4r um das unzweideutige wohlige Gef\u00fchl das Gute gew\u00e4hlt zu haben. Daraus ist auch ein Gesch\u00e4ftsmodell entstanden von dem die Grossverteiler ungern abweichen wollen. Nachhaltigkeit hat jedoch mehr mit Innovation als mit Marketing zu tun. Es geht darum die Massenm\u00e4rkte nachhaltiger zu machen und nicht bloss Nischenm\u00e4rkte f\u00fcr wohlhabende Konsumenten zu schaffen.<\/p>\n<h3><strong>Hat Nachhaltigkeit als Strategie \u00fcberhaupt Zukunft?<\/strong><\/h3>\n<p>In Politik und Wirtschaft ist Nachhaltigkeit zu einem defensiven Begriff geworden. Man will bewahren und sch\u00fctzen, ja keine Ver\u00e4nderung. Denn diese birgt Risiken und Risiken sind nicht nachhaltig. Aber der Wandel kommt unweigerlich, man kann die Zeit nicht einfrieren. Wir vom CCRS sehen im Wandel eine Chance und versuchen, ein neues Nachhaltigkeitsdenken zu f\u00f6rdern, dass kontextbasiert und dynamisch ist. Bereits im 19. Jahrhundert wurde die Schweiz mit grossen sozialen und \u00f6kologischen Problemen konfrontiert. Dass es uns heute besser geht, hat viel mit der Tatsache zu tun, dass die Leute damals die Probleme mit Innovation auf effektive Weise bew\u00e4ltigen konnten und somit die Grundlage f\u00fcr eine nachhaltige Zukunft gelegt haben. Heutige Generationen profitieren nach wie vor von den Leistungen unserer Vorg\u00e4nger und irgendwann, werden wir mit der Frage konfrontiert werden, ob wir tats\u00e4chlich eine bessere Welt f\u00fcr unsere Nachkommen schaffen indem wir bloss den Wandel regulieren anstatt ihn auf unternehmerische Weise mitzugestalten.<\/p>\n<h3><strong>Welche unternehmerischen Werte hat die bisherigen Gewinner ausgezeichnet? Gibt es eventuell Gemeinsamkeiten?<\/strong><\/h3>\n<p>Bei der in der Weinproduktion t\u00e4tigen Rouvinez Gruppe aus Sierre hat uns fasziniert, wie die Familie moderne Technologien nutzt um zu einer Art Dienstleistungsunternehmen f\u00fcr die Kleinbauern im Wallis zu werden, die sie mit ihrer Weinernte beliefern. Sie stellen ihren Weinbauern Instrumente und Daten zur Verf\u00fcgung, welche die Produktivit\u00e4t und die Qualit\u00e4t ihrer Anbauprodukte verbessern und somit auch ihr Einkommen steigern. Dieses zukunftsgerichtete Gesch\u00e4ftsmodell, welche die kleinstrukturierte Landwirtschaft wettbewerbsf\u00e4hig und ressourceneffizient macht, ist wegweisend f\u00fcr eine Schweizer Landwirtschaft, die auch finanziell nachhaltig ist.<\/p>\n<p>Die Firma Wyon aus dem Appenzell hat mich als regional verankertes, aber global ausgerichtetes Unternehmen begeistert. Die Familie engagiert sich sehr in der Region, schafft Arbeitspl\u00e4tze und erreicht mit ihren kosteneffizienten Batterien f\u00fcr H\u00f6rger\u00e4te zugleich den Weltmarkt. Schweizer Werte werden hier t\u00e4glich gelebt und die \u00abwarme\u00bb Ethik in der Unternehmenskultur, die sich konkret um die Anliegen ihrer Mitarbeitenden und ihren Familien sowie um die Kunden und ihre sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndernden Anliegen k\u00fcmmert, unterscheidet sich von der \u00abkalten Ethik\u00bb wie sie sich bei den Nachhaltigkeitslabels f\u00fcr Konsumenten oft manifestiert, denn diese appellieren mehr an das Ego als an das Gemeinwohl.<\/p>\n<p>FRAISA SA aus dem solothurnischen Bellach hat zukunftsgerichtet in ihr Gesch\u00e4ft mit Pr\u00e4zisionswerkzeugen investiert und zugleich die Nachfolge auf pragmatische und vorbildliche Art geregelt. Hier ist einzigartig, dass sich die Gr\u00fcnderfamilie entschieden hat, den erfolgreichen Manager quasi in die \u00abFamilie zu adoptieren\u00bb und ihn somit zum Miteigent\u00fcmer und Nachfolger zu machen. Dies ist sinnvoll, denn das langfristige Gedeihen der Firma sollte nicht dadurch gef\u00e4hrdet werden, dass ein motivierter Nachfolger aus der eigenen Familie fehlt.<\/p>\n<p>Von der Jucker Farm aus dem Z\u00fcrcher Oberland habe ich zwar schon viel geh\u00f6rt, aber ich war ein wenig skeptisch, weil sie so oft in den Medien gehypt wurde. Der Besuch auf dem Betrieb in Seegr\u00e4ben hat mich dann aber \u00fcberzeugt. Die Gebr\u00fcder Jucker sind innovative Macher, diversifizieren ihren Betrieb und expandieren. Sie gingen durch Ups and Downs und haben sich fehlende Kompetenzen durch Profis in die eigenen Reihen geholt. Die Juckers leben vor, wie erfolgreiches und umweltschonendes Unternehmertum ohne Direktzahlungen und gegen alle Widerst\u00e4nde und Regulierungen in der Landwirtschaft m\u00f6glich sein kann. Das ist eine grossartige Nachhaltigkeitsleistung.<\/p>\n<p>Alle Gewinner haben gemeinsam, dass sie einen engen Bezug zur jeweiligen Region aufweisen. Dennoch sind sie \u00fcberregional, wenn nicht global ausgerichtet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-multi-image wp-image-3171\" src=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Logo-Family-Business-Award.jpg\" alt=\"Logo Family Business Award\" width=\"300\" height=\"195\" \/><\/p>\n<h3><strong>Gibt es einen besonderen Moment, welchen Sie w\u00e4hrend Ihrer bisherigen Zeit beim Family Business Award erlebt haben?<\/strong><\/h3>\n<p>Nat\u00fcrlich ist die Preisverleihung als sch\u00f6ner Galaabend immer ein spezieller Moment mit den Finalisten und Preistr\u00e4gern. Auch die Arbeit mit den Jurymitgliedern und der Austausch mit ihnen ist sehr wertvoll. Die Firmenbesuche bringen mich zudem in die verschiedensten Regionen der Schweiz und man kann immer wieder Neues entdecken. Speziell blieb mir nat\u00fcrlich der Besuch bei der FRAISA in Erinnerung, da ich im Nachbarsdorf in Solothurn aufgewachsen bin. Als kleiner Schulbub fuhr ich immer an diesem Betrieb vorbei, hatte aber keine Ahnung, was die da machen. Der Family Business Award hat mir erm\u00f6glicht, Einblick in diese Firma zu erhalten und zu entdecken, was f\u00fcr Juwelen in der Solothurner Industrielandschaft existieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Family Business Award wird j\u00e4hrlich an Familienunternehmen verliehen, welche sich durch unternehmerische Nachhaltigkeit auszeichnen. Wir haben mit Dr. Philipp Aerni, Direktor des Zentrums f\u00fcr Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit (CCRS) der Universit\u00e4t Z\u00fcrich, \u00fcber den Preis und nachhaltige Werte gesprochen.<\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":2770,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[1232],"tags":[1413],"class_list":["post-3169","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachhaltigkeit","tag-family-business-award"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3169","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3169"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3169\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2770"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3169"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3169"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3169"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}