{"id":2129,"date":"2016-11-30T09:30:17","date_gmt":"2016-11-30T08:30:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/?p=2129"},"modified":"2020-04-23T08:49:19","modified_gmt":"2020-04-23T06:49:19","slug":"wir-sind-selektiv-als-kmu-und-haben-keinen-wachstumszwang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wir-sind-selektiv-als-kmu-und-haben-keinen-wachstumszwang\/","title":{"rendered":"\u00abWir sind selektiv als KMU und haben keinen Wachstumszwang\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>Die AMAG hat den Family Business Award zu Ehren ihres Gr\u00fcnders und Patrons Walter Haefner ins Leben gerufen, der sich f\u00fcr eine echte und gelebte Firmenkultur eingesetzt hat. Mit der Verleihung des Awards will die AMAG auf die volkswirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen in der Schweiz aufmerksam machen. An der Preisverleihung vom 14. September 2016 hat sich die FRAISA SA gegen die beiden anderen Finalisten Blumer-Lehmann AG aus Gossau SG und Groupe Volet SA aus St-L\u00e9gier behaupten k\u00f6nnen und den Preis nach Bellach geholt. Was zeichnet die FRAISA SA als nachhaltig gef\u00fchrtes Unternehmen aus und was bedeutet ihr der Preis? Antworten dazu im Interview mit CEO Josef Maushart.<\/p>\n<p><strong>Die FRAISA wurde 1934 durch Johann St\u00fcdeli gegr\u00fcndet, welcher damals Fr\u00e4swerkzeuge f\u00fcr die Uhrenindustrie herstellte. Heute ist die FRAISA mit Produktionsstandorten in der ganzen Welt t\u00e4tig und hat die Produktionsbereiche und auch die Entwicklung stetig ausgebaut. Was zeichnet den Erfolg der FRAISA aus? <\/strong><\/p>\n<p>Erstens ist die FRAISA trotz ihrer Gr\u00f6sse und den 540 Besch\u00e4ftigten nach wie vor ein wirkliches Familienunternehmen mit einem ganz starken Bezug zwischen der F\u00fchrungscrew und der Belegschaft. Ebenso besteht eine starke Bindung zwischen den L\u00e4ndergesellschaften. Als Zweites ist das Herausragende die Identifikation mit unserem Produkt, welche nicht zuf\u00e4llig ist. Der erste Punkt in unserem Unternehmensleitbild ist denn auch \u00abdie Passion f\u00fcr das Produkt\u00bb &#8211; die Begeisterung f\u00fcr die Zerspanungswerkzeuge. Das Produkt steht im Mittelpunkt und alle unsere Aktivit\u00e4ten und Dienstleistungen sind danach ausgerichtet. Das ist der rote Faden, an dem sich alles hier in der FRAISA auff\u00e4delt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-multi-image wp-image-2134\" src=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Josef-Maushart-620x414.jpg\" alt=\"josef-maushart\" width=\"620\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Josef-Maushart-620x414.jpg 620w, https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Josef-Maushart-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Josef-Maushart-720x480.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/p>\n<p><strong>Sie sind seit 1995 CEO der FRAISA \u2013 wie hat sich das Unternehmen seither entwickelt?<\/strong><\/p>\n<p>Das Unternehmen ist seither viel professioneller geworden und hat sich gr\u00f6ssenm\u00e4ssig mehr als verdoppelt. Wir sind internationaler geworden, trotzdem haben wir aber den Charakter als Familienunternehmen beibehalten. In der Zwischenzeit gab es auch grosse technologische Ver\u00e4nderungen. In den 90er Jahren hat der Wechsel von stahlbasierten Werkzeugen hin zu hartmetallbasierten Werkzeugen stattgefunden. Das bedeutet eine vollkommene Ver\u00e4nderung der ganzen Produktionsprozesse. Wer diesen Wandel damals nicht konsequent angegangen ist, ist vom Markt verschwunden. Und die FRAISA hat das zwar sp\u00e4t, aber sehr konsequent angepackt und geh\u00f6rt heute in der neuen Technologie zu den Spitzenunternehmen im Segment der Fr\u00e4swerkzeuge.<\/p>\n<p>Auch die Wettbewerbsstruktur hat sich in den letzten 20 Jahren massiv ver\u00e4ndert: 1995 standen wir im Wettbewerb mit anderen Familienunternehmen \u2013 auch global. Denn das Gesch\u00e4ft mit Fr\u00e4swerkzeugen war ein Gesch\u00e4ft f\u00fcr Mittelstandsunternehmen auf der ganzen Welt. Heute &#8211; im Zuge der Globalisierung &#8211; hat sich das auch ver\u00e4ndert. Die grossen Konzerne haben viel akquiriert und haben ihre Sortimente so vervollst\u00e4ndigt, dass sie heute auch unseren angestammten Werkzeugbereich mitabdecken k\u00f6nnen. Das bedeutet, dass unsere heutigen Mitbewerber zehn- bis zwanzigmal gr\u00f6sser sind als wir. Das ist eine grosse Herausforderung, vor der wir aber nicht Angst haben und glauben, sie bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Wie verfolgen Sie dieses Ziel?<\/strong><\/p>\n<p>Wir behaupten uns, indem wir in unserem Werkzeugsegment sehr fokussiert sind. Wir geh\u00f6ren, was die Technologie und das Sortiment anbelangt, zur Weltspitze und bieten das vollst\u00e4ndigste Dienstleistungsangebot um diese Produktegruppe herum an. Trotzdem ist die FRAISA sehr w\u00e4hlerisch, was das Gesamtspektrum der Produkte und die M\u00e4rkte, in denen wir t\u00e4tig sind, anbelangt. Wir sind nicht \u00fcberall auf dem Globus vertreten. Wir sind selektiv als KMU \u2013 das k\u00f6nnen wir auch, denn wir haben keinen Wachstumszwang.<\/p>\n<p><strong>Im Jahr 2005 haben Ihnen die Eigent\u00fcmerinnen die Aktienmehrheit an der FRAISA \u00fcbergeben mit der Zielsetzung, das Unternehmen weiterhin als unabh\u00e4ngiges Familienunternehmen zu f\u00fchren. Warum haben Sie sich selber f\u00fcr diesen Schritt entschieden?<\/strong><\/p>\n<p>Seit 1990 bin ich in der FRAISA t\u00e4tig, eingestiegen als Leiter der Produktentwicklung. Ich bin ein sehr \u00abschollengebundener\u00bb Typ, d.h. ich wechsle nicht gerne das Unternehmen. Zudem bin ich kein Revolution\u00e4r, sondern ein Evolution\u00e4r und entwickle Dinge gerne \u00fcber einen langen Zeitraum hinweg.\u00a0Bei Familienunternehmen stellt sich naturgem\u00e4ss fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Frage nach der Nachfolge. Als dies bei der FRAISA der Fall war, waren zwar Nachkommen vorhanden, aber diese waren nicht im Bereich der Technik t\u00e4tig. Somit liess sich das Prinzip des inhabergef\u00fchrten Betriebes nicht fortsetzen. Um die F\u00fchrung in diesem Sinne zu behalten ist, man auf eine Nachfolgel\u00f6sung ausserhalb der Familie gekommen.<\/p>\n<p>Ich habe mich sehr gefreut, dass dieser Gedanke aufkam und f\u00fcr mich pers\u00f6nlich bedeutete dies, dass ich meinen Weg mit dieser Firma weitergehen konnte. Gleichzeitig hat es f\u00fcr uns alle hier, f\u00fcr das Kader, die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und die Belegschaft bedeutet, dass die FRAISA das bleibt, was sie ist. N\u00e4mlich ein in der Schweiz verwurzeltes Unternehmen.\u00a0Diese Nachfolgeregelung brachte Sicherheit, Klarheit und Stabilit\u00e4t, was im gesamten Unternehmen enorme Kr\u00e4fte und Kreativit\u00e4t freisetzte. Von dieser L\u00f6sung haben letztendlich alle profitiert.<\/p>\n<p><strong>Warum hat die FRAISA beim Family Business Award mitgemacht?<\/strong><\/p>\n<p>Das geht auf den 15. Januar 2015 und die Aufhebung des Mindestkurses zur\u00fcck. Ich habe damals selber als Pr\u00e4sident des Industrieverbandes Solothurn viele Gespr\u00e4che und Medieninterviews gef\u00fchrt. Immer wieder habe ich die Bedeutung der Familienunternehmen f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung dieser Krise betont.\u00a0Ich bin \u00fcberzeugt davon, dass es f\u00fcr den Erhalt des Werkplatzes Schweiz nicht nur gute Rahmenbedingungen, sondern auch Unternehmerpers\u00f6nlichkeiten braucht. Menschen, die das wollen &#8211; weil sie hier leben, hier zu Hause sind, weil sie die Verantwortung f\u00fcr ihre Kolleginnen und Kollegen unmittelbar sp\u00fcren.\u00a0Auch der Family Business Award hat das Ziel, in der \u00d6ffentlichkeit auf die Wichtigkeit der Familienunternehmen in der Schweiz hinzuweisen. Und wenn es jemanden gibt, der die gleichen Interessen verfolgt, dann muss man das st\u00e4rken. Ich wollte mithelfen, dass sich mehr Menschen bewusst sind, wie gross die Leistung der Familienunternehmen in unserem Land ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-multi-image wp-image-2136\" src=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/FO1_1049-620x414.jpg\" alt=\"fo1_1049\" width=\"620\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/FO1_1049-620x414.jpg 620w, https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/FO1_1049-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/FO1_1049-720x480.jpg 720w, https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/FO1_1049.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/p>\n<p><strong>Was bedeutet der Preis f\u00fcr Sie resp. f\u00fcr das Unternehmen?<\/strong><\/p>\n<p>Als wir erfahren haben, dass wir zu den drei Finalisten geh\u00f6ren, hab ich zur Gesch\u00e4ftsleitung gesagt: Wir haben gewonnen! Nicht, weil wir angenommen h\u00e4tten, dass wir Erster werden, sondern weil ich es unglaublich finde, dass wir \u00fcberhaupt unter die ersten drei Nominierten gekommen sind.\u00a0Es hat uns sehr stolz gemacht, dass wir \u2013 gemessen an den Kriterien der Nachhaltigkeit, der Dynamik, der Innovation, der sozialen gesellschaftlichen Verantwortung, aber auch der Eigenfinanzierung und der N\u00e4he zur Belegschaft \u2013 in den Augen dieser sehr hochrangigen Jury zu den guten Unternehmen geh\u00f6ren.\u00a0Dass wir am Ende den Preis gewonnen haben, ist gar nicht entscheidend f\u00fcr uns. Die Kombination der kompetenten Jury und der sechs Kriterien, die im Zentrum stehen, best\u00e4rkt uns, unseren Weg weiterzugehen.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr den Family Business Award meldet man sich online an. Danach muss man Informationen \u00fcber das Unternehmen einsenden und am Ende erfolgt ein Besuch der Jury am Firmensitz. Wie haben Sie diesen Jurierungsprozess erlebt?<\/strong><\/p>\n<p>Der Aufwand, der zu betreiben ist, ist aus unserer Sicht unkritisch. Wenn wir uns zum Beispiel f\u00fcr ein Forschungsprojekt bewerben, dann ist der Gesamtaufwand sicher h\u00f6her, als das, was wir f\u00fcr den Family Business Award zu machen hatten.\u00a0Insbesondere der Besuch der Jury ist eine grosse Bereicherung gewesen. Meiner Ansicht nach lebt jedes Unternehmen sehr davon, dass es besucht wird. Und je st\u00e4rker die Pers\u00f6nlichkeiten sind, mit welchen wir im Dialog stehen, desto besser. Der professionelle Austausch und das \u00abbest practice\u00bb-Lernen sind sehr einfach in der Realisierung und bringen sehr viel.<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrden Sie anderen Familienunternehmen die Teilnahme am Family Business Award empfehlen?<br \/>\n<\/strong>Auf jeden Fall! Und ich hoffe, dass sich in der Zukunft viel mehr Unternehmen dazu durchringen k\u00f6nnen. Die Zur\u00fcckhaltung, die wir pflegen, ist ein sch\u00f6ner Wesenszug. Wenn man das in die Wirtschaftswelt \u00fcbertr\u00e4gt, so glaube ich aber, dass wir als Unternehmen st\u00e4rker kommunizieren sollten. Wir sollten verst\u00e4rkt in der \u00d6ffentlichkeit auftreten, damit das allgemeine Bewusstsein f\u00fcr die Bedeutung dieser Familienunternehmen gr\u00f6sser wird, das gilt vor allem auch f\u00fcr die Industrie.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"http:\/\/www.amag.ch\/content\/amagch\/corp\/de\/newsletter\/anmeldeformular_Blog.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aktuelles und Hintergr\u00fcnde aus der Welt des Autos.\u00a0<strong>Jetzt abonnieren.<\/strong><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die FRAISA SA hat den Family Business Award 2016 gewonnen. Ein Preis, welcher an besonders verantwortungsbewusste und unternehmerisch nachhaltige Familienunternehmen aus der Schweiz verliehen wird. Im folgenden Interview gibt der FRAISA-CEO Josef Maushart Einblicke in sein Familienunternehmen. <\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":2130,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[1232],"tags":[1413],"class_list":["post-2129","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachhaltigkeit","tag-family-business-award"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2129","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2129"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2129\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2130"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2129"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2129"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2129"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}