{"id":19061,"date":"2020-06-12T09:34:23","date_gmt":"2020-06-12T07:34:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/?p=19061"},"modified":"2025-03-21T09:56:57","modified_gmt":"2025-03-21T08:56:57","slug":"berufsbildung-im-ausnahmezustand-wie-funktioniert-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/berufsbildung-im-ausnahmezustand-wie-funktioniert-das\/","title":{"rendered":"Berufsbildung im Ausnahmezustand: Wie funktioniert das?"},"content":{"rendered":"<p>Das Arbeiten in den letzten Wochen war alles andere als \u00abDaily Business\u00bb. Jedes Unternehmen war und ist mit seinen eigenen Herausforderungen besch\u00e4ftigt. Man musste schnell umdenken, neu planen und organisieren \u2013 sei es im Umgang mit den Mitarbeitenden, den Kundinnen und Kunden oder in Bezug auf die Infrastruktur. Wir alle stellten uns Fragen wie \u00abWie k\u00f6nnen wir unser Gesch\u00e4ft trotz der Auflagen des Bundesrates aufrechterhalten?\u00bb oder \u00abWie schaffen wir es, trotz der Corona-Krise, f\u00fcr unsere Kunden da zu sein?\u00bb. Eine Frage, die dabei hintenanstehen musste \u2013 auch beim Bundesrat \u2013 war: \u00abWas passiert mit den Lernenden?\u00bb<\/p>\n<h3><strong>Gleiche Regeln f\u00fcr alle<img decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-19067 size-medium\" title=\"Manuel Nauer, Berufsbildender beim Porsche Zentrum Winterthur\" src=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Manuel-Nauer-1-351x414.jpg\" alt=\"\" width=\"351\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Manuel-Nauer-1-351x414.jpg 351w, https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Manuel-Nauer-1-768x906.jpg 768w, https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Manuel-Nauer-1.jpg 1628w\" sizes=\"(max-width: 351px) 100vw, 351px\" \/><\/strong><\/h3>\n<p>Bei der AMAG galt von Anfang an \u00abgleiche Regeln f\u00fcr alle\u00bb. Das bedeutet, dass sich selbstverst\u00e4ndlich zum eigenen Schutz auch die Lernenden im gleichen Mass an die neuen Regeln halten m\u00fcssen, die wir allen anderen Mitarbeitenden auferlegt haben. Das geht vom Tragen des Mundschutzes beim Kundenkontakt, \u00fcber die Handschuhpflicht in den Werkst\u00e4tten bis hin zum Arbeiten aus dem Homeoffice. Das klingt vielleicht logisch, ist aber f\u00fcr Lernende und ihre Berufsbildenden definitiv nicht so einfach umsetzbar, wie f\u00fcr festangestellte Kolleginnen und Kollegen. Warum? \u00abWeil Lernende \u2013 vor allem in den ersten beiden Lehrjahren \u2013 noch eine intensivere Betreuung ben\u00f6tigen und selbst\u00e4ndiges Arbeiten nicht bei jeder T\u00e4tigkeit gleichermassen m\u00f6glich ist.\u00bb erkl\u00e4rt <strong>Manuel Nauer, Leiter Aftersales des Porsche Zentrums Winterthur<\/strong>, der drei Lernende in der Werkstatt betreut.\u00a0\u00a0<\/p>\n<h3><strong>Bestm\u00f6gliche Unterst\u00fctzung durch Berufsbildende <\/strong><\/h3>\n<p>Diese Situation war deshalb auch f\u00fcr Berufsbildende eine ganz besondere. Auch sie mussten schnell reagieren, rasch umdenken. In den Werkst\u00e4tten musste man sich \u00fcberlegen, wie man Lernende besch\u00e4ftigen und mit dem geltenden Abstand von 2 Metern betreuen kann. Manuel erkl\u00e4rt ihr Vorgehen: \u00abWenn m\u00f6glich haben wir die Arbeiten am Auto so eingeplant, dass einer vorne und einer im hinteren Bereich des Fahrzeugs gearbeitet hat. Beim direkten Kontakt miteinander haben der Berufsbildende und der Lernende immer Schutzmasken getragen.\u00bb So konnten sie trotz Ausnahmezustand die Ausbildung der Lernenden fortf\u00fchren und sich gleichzeitig wie vorgeschrieben sch\u00fctzen. \u00c4ltere Lernende k\u00f6nnen schon sehr selbstst\u00e4ndig arbeiten und haben sich auf T\u00e4tigkeiten fokussiert, die sie auch ohne Unterst\u00fctzung erledigen k\u00f6nnen. Dazu z\u00e4hlt beispielsweise der Radwechsel, der genau in die Corona-Zeit rund um Ostern fiel. Nicht zuletzt durch das Anpacken unserer Lernenden und deren Flexibilit\u00e4t, blieb das Rad bei der AMAG am Rollen.<\/p>\n<h3><strong>Unterschiede zwischen handwerklichen Berufen und B\u00fcrojobs<\/strong><\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-19055 size-full\" title=\"Marcel Schlatter, Berufsbildender bei der AMAG Import AG\" src=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Marcel-Schlatter.png\" alt=\"\" width=\"234\" height=\"263\" \/><\/p>\n<p>Mit ganz anderen Herausforderungen hatten Berufsbildende der Bereiche Detailhandel und KV zu tun: \u00abUnsere Lernenden haben vielerorts zum ersten Mal Homeoffice gemacht. Das war nicht nur f\u00fcr sie eine grosse Umstellung.\u00bb beschreibt <strong>Marcel Schlatter, Fachverantwortlicher Lernende Detailhandel und KV im Import,<\/strong>\u00a0die Anf\u00e4nge des Lockdowns. Von zu Hause aus zu arbeiten, braucht eine gewisse Disziplin \u2013 das wissen auch wir als ausgelernte Mitarbeitende. Dass es einem 17-j\u00e4hrigen schwerf\u00e4llt, am Morgen trotzdem fr\u00fchzeitig aufzustehen und sich ans Pult zu Hause zu setzen, ist nur verst\u00e4ndlich. Auch kann es vorkommen, dass die Konzentration im Laufe des Tages vielleicht mal etwas abnimmt und es nicht ganz einfach ist, am Ball zu bleiben, so ganz ohne Kontrolle. Mit dieser Freiheit muss man als Lernender umzugehen lernen. Marcel sagt: \u00abWir haben die Lernenden auch im Homeoffice eng begleitet und ihnen Tages- und Wochenziele gegeben, die dann \u00fcberpr\u00fcft wurden. Uns Berufsbildenden ging es dabei nicht unbedingt um die Kontrolle, sondern auch darum, den Lernfortschritt zu gew\u00e4hrleisten. Uns war bewusst, dass die Lernenden auf keinen Fall stehen bleiben d\u00fcrfen.\u00bb<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Corona-Krise haben Lernende oftmals mehr Verantwortung bekommen, denn das Gesch\u00e4ft musste weiterlaufen, alle mussten an einem Strang ziehen. \u00dcber die Wochen hat sich die Ausnahmesituation zum normalen Alltag entwickelt. \u00abIch kann mir gut vorstellen, dass wir unseren Lernenden \u2013 wo m\u00f6glich \u2013 auch in Zukunft Homeoffice erlauben werden. Damit bereiten wir sie auch auf die Arbeitswelt nach ihrer Lehre vor. Sie lernen so bereits fr\u00fch, sich in so einem Gef\u00e4ss zurecht zu finden und die entsprechenden digitalen Arbeitstools zu nutzen. Auch wir Berufsbildende m\u00fcssen lernen, mit dieser Umstellung umzugehen.\u00bb erkl\u00e4rt Marcel.<\/p>\n<h3><strong>Digitalisierung in Berufsschulen<\/strong><\/h3>\n<p>Nicht nur Berufsbildende und Lernende, sondern auch die Berufsschulen mussten schnell umstellen. Vielerorts ist die Schule f\u00fcr einige Wochen ausgefallen und wurde dann als \u00abDistance Learning\u00bb (Fernunterricht) wieder aufgenommen. Auch hier war also von den Lernenden Selbstdisziplin gefragt. Die Berufsbildenden in der AMAG haben dabei entschieden, ob die Lernenden an den Schultagen von zuhause aus lernen konnten oder im Betrieb erscheinen mussten. Oberste Priorit\u00e4t hatte dabei der passende Lehrrahmen f\u00fcr die jungen Erwachsenen: Sie sollten nicht nur die \u00fcbliche Zeit f\u00fcr das Lernen und Erledigen der Schulaufgaben erhalten, sondern dies auch in einer f\u00fcr sie f\u00f6rderlichen Umgebung tun k\u00f6nnen. Berufsbildende haben bei Bedarf auch hier unterst\u00fctzt, erz\u00e4hlt Marcel: \u00abWir haben bei unseren Lernenden regelm\u00e4ssig nachgefragt, welche Aufgaben sie von der Schule erhalten haben und ob wir ihnen dabei helfen k\u00f6nnen. Es hat bei einigen einen Moment gebraucht, aber auch an diese Umstellungen haben sich schlussendlich alle gew\u00f6hnt und das Beste daraus gemacht.\u00bb Einen grossen Vorteil hatten dabei Lernende in Berufsschulen, die bereits in der Digitalisierung angekommen waren: \u00abUnsere Lernenden im ersten und zweiten Lehrjahr, die bei der <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.amag-import.ch\/amagch\/corp\/de\/dieamag\/die-amag-gruppe11.html\">AMAG Import AG<\/a><\/span> und der <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.amag-leasing.ch\/de\">AMAG Leasing AG<\/a><\/span> arbeiten, haben bereits zu Beginn ihrer Lehre einen Laptop erhalten und regelm\u00e4ssig Aufgaben online erledigt. Damit waren sie und ihre Berufsschulen klar einen Schritt voraus \u2013 nicht nur im Online-Schulunterricht, sondern auch in Bezug auf die Kommunikationswege von den Lehrpersonen zu den Lernenden. Die waren n\u00e4mlich von Tag 1 an vorhanden, wohingegen andere Schulen zuerst passende Tools einf\u00fchren mussten.\u00bb<\/p>\n<h3><strong>Vorbereitung auf Lehrabschlusspr\u00fcfung <\/strong><\/h3>\n<p>Die Lernenden mit der wohl aussergew\u00f6hnlichsten Situation sind jene, die in diesem Jahr ihren Lehrabschluss machen. Sie wussten lange nicht, wie es f\u00fcr sie weiter geht, wie sie sich auf ihr QV (Qualifikationsverfahren, fr\u00fcher LAP) am besten vorbereiten, geschweige denn, was sie an den theoretischen und praktischen Abschlusspr\u00fcfungen erwartet. Also haben sich die Lernenden bei der AMAG mit Unterst\u00fctzung ihrer Berufsbildenden wie jedes Jahr auf ihren Abschluss vorbereitet. Gegen Ende April kam dann die Meldung des Bundesrates und der jeweiligen Berufsverb\u00e4nde: F\u00fcr jeden Beruf gibt es Sonderregelungen f\u00fcr die diesj\u00e4hrigen QVs.<\/p>\n<p>Bei den technischen Berufen wie Automobilmechatroniker\/-in oder Carrosseriespengler\/-in gibt es beispielsweise eine normale oder verk\u00fcrzte praktische Pr\u00fcfung, jedoch keine Theorie. Manuel ist aber froh: \u00abIn den technischen Berufen wird die Praxispr\u00fcfung mit einigen Theorieteilen erg\u00e4nzt. Ich finde gut, dass die Theorie nicht ins Hintertreffen ger\u00e4t, denn eine theoretische Grundlage ist vor allem auch in unseren Berufen von enormer Bedeutung.\u00bb<\/p>\n<p>Bei den B\u00fcrojobs, wie zum Beispiel den Kaufleuten, gibt es weder eine praktische noch eine theoretische Pr\u00fcfung. Hier werden Erfahrungsnoten aus den Betrieben als Massstab genommen und entscheiden \u00fcber den erfolgreichen Abschluss. Auch beim Detailhandel entf\u00e4llt die praktische Pr\u00fcfung g\u00e4nzlich. Marcel betont aber: \u00abWir haben unsere Lernenden in den letzten Wochen trotzdem weiterhin eng begleitet und beim Lernen unterst\u00fctzt. Denn wir wollen nicht, dass sie nur f\u00fcr ihre Abschlusspr\u00fcfungen lernen, sondern m\u00f6glichst viel davon auf ihren Arbeitsweg mitnehmen. Sie sollen das Gelernte f\u00fcr ihre k\u00fcnftige Stelle anwenden k\u00f6nnen \u2013 Corona hin oder her.\u00bb<\/p>\n<h3><strong>Weitere Links und Artikel zum Thema:<\/strong><\/h3>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/amagch\/corp\/de\/jobs\/lehrstellen-und-praktika.html\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Eine Lehre bei der AMAG: future.amag.ch<\/span><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/content\/dam\/internet\/corp\/Jobs\/Lehrstellen_Broschuere\/Unsere_Lehrberufe_low.pdf\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Die AMAG Lehrberufe im \u00dcberblick<\/span><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/digitalisierung-in-der-berufsbildung\/\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Digitalisierung in der Berufsbildung<\/span><\/a><\/li>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/rekrutierung-der-lernenden-heute\/\">Rekrutierung der Lernenden heute<\/a><\/span><\/li>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/amag-welcome-camp-wie-neue-lernende-in-die-amag-aufgenommen-werden\/\">AMAG Welcome Camp: Wie neue Lernende in die AMAG aufgenommen werden<\/a><\/span><\/li>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/mit-einer-lehre-bei-der-amag-gibst-du-vollgas\/\">Mit einer Lehre bei der AMAG gibst du Vollgas<\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was heisst es, w\u00e4hrend der Corona-Krise Lernende zu betreuen und ihre Ausbildung sicherzustellen? Wie geht man mit den Schutzvorkehrungen, Homeoffice und Kurzarbeit in der Berufsbildung um? Wir haben mit Berufsbildenden der AMAG gesprochen und kl\u00e4ren auf.<\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":19058,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[9816],"tags":[],"class_list":["post-19061","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-next-generation"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19061","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19061"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19061\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31704,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19061\/revisions\/31704"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19058"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19061"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19061"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19061"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}