{"id":16874,"date":"2019-11-28T10:01:02","date_gmt":"2019-11-28T09:01:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/?p=16874"},"modified":"2025-03-21T09:58:34","modified_gmt":"2025-03-21T08:58:34","slug":"rekrutierung-der-lernenden-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/rekrutierung-der-lernenden-heute\/","title":{"rendered":"Rekrutierung der Lernenden heute"},"content":{"rendered":"<p>Als ich die obligatorische Schulzeit hinter mir hatte, das war in den 90ern, hiess es, wir h\u00e4tten eine Lehrstellenkrise, da es viel zu wenig Lehrstellen gab und zahlreiche Jugendliche Schwierigkeiten hatten, nach der obligatorischen Schule eine Anschlussl\u00f6sung zu finden.<\/p>\n<p>Heute ist es genau umgekehrt: In den allermeisten Branchen klagen die Unternehmen \u00fcber einen (teilweise gravierenden) Nachwuchsmangel und haben M\u00fche, ihre Lehrstellen mit qualifizierten Lernenden zu besetzen. <br \/>\nDoch welches sind die Gr\u00fcnde daf\u00fcr? In der Folge m\u00f6chte ich drei davon n\u00e4her beleuchten:<\/p>\n<ol>\n<li>\n<h3><strong>\u00abAkademisierung\u00bb<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich sind es immer verschiedene Faktoren, welche den Entscheid f\u00fcr oder gegen eine Ausbildungsart ausmachen. Es ist allerdings ebenso eine Tatsache, dass die Jugendlichen sich vermehrt allgemeinbildenden Ausbildungen (Mittelschulen etc.) zuwenden. Dies hat mit einem generellen gesellschaftlichen Trend zu tun. Hier sei nur daran erinnert, dass die Schweiz sich seit vielen Jahren schon in eine Dienstleistungsgesellschaft entwickelt \u2013 und diese Entwicklung wird nach heutiger Einsch\u00e4tzung nicht abnehmen. Ein weiterer Grund f\u00fcr die sogenannte \u00abAkademisierung\u00bb ist, dass die jungen Menschen (und als Beeinflusser noch wichtiger: die Eltern) die k\u00fcnftigen Perspektiven im Auge haben und dann den (falschen) Schluss ziehen, dass mehr Chancen hat, wer im B\u00fcro arbeitet oder eine Mittelschule besucht anstelle eine handwerkliche Ausbildung abschliesst. Der Umstand, dass es auch mit einer Berufslehre im technischen Bereich zahlreiche Aufstiegsm\u00f6glichkeiten gibt, ist offenbar nicht so bekannt. Die Aufkl\u00e4rungsarbeit liegt an uns.<br \/>\n<div id=\"attachment_16879\" style=\"width: 630px\" class=\"wp-caption alignright\"><a class=\"fancybox-link\" href=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Lernende-DE.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16879\" class=\"size-medium wp-image-16879\" src=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Lernende-DE-620x370.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"370\" srcset=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Lernende-DE-620x370.jpg 620w, https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Lernende-DE-768x459.jpg 768w, https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Lernende-DE.jpg 981w\" sizes=\"(max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16879\" class=\"wp-caption-text\">Quelle <a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfsstatic\/dam\/assets\/7106441\/master\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Szenarien 2018-2027 f\u00fcr das Bildungssystem<\/span><\/a> (S. 15)<\/p><\/div>\n<\/li>\n<li>\n<h3><strong>Bev\u00f6lkerungsentwicklung<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>In den letzten Jahren sind immer weniger Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler nach der obligatorischen Schule in den Arbeitsmarkt gelangt. Das bedeutet, dass die Anzahl Menschen in der Zielgruppe immer kleiner geworden ist (die Anzahl Lehrstellen hat in der gleichen Zeit nicht merklich abgenommen). Gl\u00fccklicherweise scheinen wir gem\u00e4ss BFS-Statistik die Talsohle erreicht zu haben: Seit 2019 sollten wieder mehr Jugendliche eine Anschlussl\u00f6sung nach der Sekundarstufe I suchen. Wir haben dies im Laufe der Rekrutierung 2019 noch nicht gesp\u00fcrt. Aber: <em>\u00abIn wenigen Jahren erreichen die Sch\u00fclerzahlen einen historischen H\u00f6chststand; einzelne Kantone rechnen mit einem Wachstum von gegen 20 Prozent bis 2025.\u00bb <\/em>(Beobachter, 24.10.2019) Es bleibt also abzuwarten, ob sich aus dieser Entwicklung Auswirkungen auf den Rekrutierungserfolg ergeben \u2013 und vor allem wie sich die Prognosen \u00fcberhaupt entwickeln. Ich bin zuversichtlich.<\/li>\n<li>\n<h3><strong>Berufsimage<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>Man kann es nicht verleugnen, das Image der Automobil-Branche hat in den letzten Jahren aus verschiedenen Gr\u00fcnden gelitten (Umweltbelastung, Dieselskandal). Und mit ihr folglich auch die damit einhergehenden Berufsbilder. \u00d6lverdreckt und gesundheitlich angeschlagen \u2013 so stellt man sich den ehemaligen \u00abAutomechen\u00bb vor. Dabei entspricht das tradierte Bild schon l\u00e4nger nicht mehr der Realit\u00e4t. Klar, mit den H\u00e4nden anpacken muss man immer noch. Aber heute ist der Automobil-Mechatroniker ein Spezialist und versiert mit verschiedenen elektronischen Arbeitsinstrumenten und damit der Beweis, dass sich das Berufsbild den Anforderungen der Zeit angepasst hat. Ebensolches gilt auch f\u00fcr die Carrosserieberufe. Es ist uns ein Anliegen, die Berufe in Zusammenarbeit mit den Verb\u00e4nden wieder mehr zu profilieren und vor allem positiv zu positionieren. Es reicht eben nicht, \u00abfancy\u00bb Marketing zu schalten. Viel wichtiger sind die Entwicklung und Gestaltung einer nachhaltigen Perspektive f\u00fcr die Mitarbeitenden; und immer wieder h\u00f6ren wir, dass der Umgang in der Werkstatt \u00abeben ein bisschen rauer\u00bb sei. Dabei geht leider oft vergessen, dass die heutige Jugend dies nicht mehr toleriert \u2013 eine Tatsache, ob sie uns lieb ist oder nicht. Es ist eine Frage der Kultur. Tolle Marketingaktivit\u00e4ten sind dann eben keine Ursache f\u00fcr den Rekrutierungs- und Ausbildungserfolg, sondern eine Folge!<\/li>\n<\/ol>\n<p>Vor diesem Hintergrund darf ich \u2013 und dies durchaus auch mit Stolz \u2013 sagen, dass wir es wie in den Vorjahren auch 2019 geschafft haben, \u00fcber 90% der Lehrstellen besetzen zu k\u00f6nnen. Dies verdanken wir der guten Zusammenarbeit zwischen der Berufsbildung (HR) und den Beteiligten in der Linie.<\/p>\n<p>Aber es gilt nicht nur, die Lehrstellen zu besetzen, sondern die \u00abrichtigen\u00bb Lernenden in der richtigen Anzahl zu finden. \u00abUnpassende Lernende\u00bb, mit welchen nach kurzer Zeit der Lehrvertrag aufgel\u00f6st werden muss, erzeugen denn auch vielmehr Aufwand als sie Ertrag erbringen. Ausserdem erh\u00e4lt die Laufbahn eines solchen Jugendlichen bereits einen ersten Bruch, welchen die Gesellschaft sp\u00e4ter wieder beheben muss.<\/p>\n<p>Wie haben wir diese 90% nun geschafft? In erster Linie war es das Engagement der Beteiligten, die auch bei ausbleibenden Bewerbungen den Mut nicht verloren. Die Rekrutierungsperiode beginnt jeweils im August und sie endet \u2013 zurecht \u2013 erst im Monat vor Lehrbeginn. Es sind durchaus auch einige Perlen auf dem Jugendarbeitsmarkt, unter Umst\u00e4nden sind diese einfach noch nicht geschliffen.<\/p>\n<p>Wir haben nat\u00fcrlich aber auch einige konkrete Massnahmen in Angriff genommen:<\/p>\n<ul>\n<li>Seit einiger Zeit haben wir die Laufbahnzentren als strategische Zielgruppe eruiert. Diese haben n\u00e4mlich \u2013 gem\u00e4ss Statistik des SBFI neben den Eltern (92%), Lehrpersonen (56%) und Peers (43%) \u2013 einen wichtigen Einfluss bei der Berufswahl der Jugendlichen (47%). Jedes BIZ in der Schweiz hat von uns einen Flyer mit Hinweisen auf freie Lehrstellen erhalten. Ein weiterer Schritt wird sein, die Berufsberater direkt in die Betriebe einzuladen, um unsere mannigfaltigen Berufe kennen zu lernen (was wir punktuell bereits machen).<\/li>\n<li>Mit gezielten, ressourcenabgestimmten Werbemassnahmen haben wir die AMAG als Ausbildungsbetrieb profiliert (Messen, Inserate, PR etc.). Dies ist in der Schweiz mit ihren vielen regionalen Eigenst\u00e4ndigkeiten keine einfache Aufgabe.<\/li>\n<li>Ein ebenso wichtiger Erfolgsfaktor ist allerdings auch die regionale wie lokale Vernetzung, welche Aufgabe der jeweiligen Betriebe ist. Es h\u00e4ngt eben viel davon ab, ob der Lehrbetrieb fruchtbaren Kontakt zu den lokalen Stakeholdern h\u00e4lt, z.B. Gewerbevereinen, Sekundarschulen etc.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Letztlich n\u00fctzt es nichts, wenn man mit teuren Marketingmassnahmen versucht, junge Menschen f\u00fcr eine Lehre bei uns zu motivieren, diese in der Ausbildung aber \u2013 worst case \u2013 nicht das antreffen, was sie erwartet haben. Diese Entt\u00e4uschung wirkt nach!<\/p>\n<p>Deshalb sind aus meiner Warte folgende Faktoren entscheidend f\u00fcr die Wahl der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler f\u00fcr einen Lehrbetrieb:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Kultur und pers\u00f6nliche Betreuung<\/strong>: Der pers\u00f6nliche Kontakt zum k\u00fcnftigen Berufsbildenden ist f\u00fcr junge Menschen sehr wichtig. Und ein angenehmes und respektvolles Klima im Betrieb ist kein nice to have, sondern eine absolute Bedingung (siehe oben). In der <em>Lehrlingsmarkt Schweiz Trendstudie 2019<\/em> von Prof. Dr. Christoph Beck wurde folgende Frage gestellt: \u00ab<em>Sage uns bitte noch, wie sollte Deiner Meinung nach die\/der perfekte Berufsbildner\/in sein. Beschreibe sie\/ihn bitte mit einem Wort<\/em>\u00bb. Nicht verwunderlich, wurden folgende Attribute genannt: <strong>hilfsbereit, freundlich, nett, verst\u00e4ndnisvoll, unterst\u00fctzend, sympathisch<\/strong>.<\/li>\n<li><strong>Sinnstiftung<\/strong>: Heute m\u00f6chte man verstehen, weshalb man eine Arbeit verrichtet, egal wie diese aussieht. Wichtig wird deshalb, den Mitarbeitenden das grosse Ganze n\u00e4her zu bringen.<\/li>\n<li><strong>Zukunftsperspektiven<\/strong>: Nicht jeder kann Chef werden, aber dazwischen bleiben noch viele Optionen \u2013 diese m\u00fcssen transparent aufgezeigt und Aufstiegschancen erm\u00f6glicht werden. Hier ist erstaunlich, wie die jungen Menschen bereits einen Blick auf die k\u00fcnftige Lohnentwicklung werfen und entsprechend ihren Lehrberuf und -betrieb w\u00e4hlen. Der k\u00fcnftige Lernendenlohn wird demgegen\u00fcber aber nicht als entscheidend erachtet, wie eine Umfrage von Yousty ergab.<\/li>\n<li><strong>Employer Branding<\/strong>: Die besten Botschafter eines Unternehmens sind die Mitarbeitenden (und Lernenden) selbst. Diese sollten im Sinne eines integralen Employer Brandings auch als solches eingesetzt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ihr seht: Es bleibt f\u00fcr alle noch viel zu tun.<\/p>\n<hr \/>\n<h2>Weitere Artikel zum Thema<\/h2>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/amag-welcome-camp-wie-neue-lernende-in-die-amag-aufgenommen-werden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMAG Welcome Camp: Wie Lernende in die AMAG aufgenommen werden<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/mit-einer-lehre-bei-der-amag-gibst-du-vollgas\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mit einer Lehre bei der AMAG gibst du Vollgas<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/ohne-lernende-kann-die-amag-nicht-funktionieren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ohne Lernende kann die AMAG nicht funktionieren<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/tipps-fuer-eine-erfolgreiche-lehre\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tipps f\u00fcr eine erfolgreiche Lehre<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wie-bewerbe-ich-mich-richtig\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wie bewerbe ich mich richtig?<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rekrutierung von Lernenden stellt seit einiger Zeit eine Herausforderung dar. Der Trend weg von der Lehre in Richtung gymnasialer bzw. akademischer Ausbildung nimmt weiter zu, allerdings ist dies nicht der einzige Faktor. Dennoch schl\u00e4gt sich die AMAG auf dem Lehrstellenmarkt nicht schlecht und kann den weitaus gr\u00f6ssten Teil der Lehrstellen besetzen. Es bleibt aber noch viel zu tun.<\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":16876,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[9816],"tags":[],"class_list":["post-16874","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-next-generation"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16874","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16874"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16874\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31706,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16874\/revisions\/31706"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16876"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16874"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16874"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.amag-group.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16874"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}